Lernen wir uns kennen.
Der erste Schritt ist Klarheit: ein Erstgespräch.
Erstgespräch vereinbaren
Thema · Zusammenarbeit und Wandel
Manche Fragen kann niemand allein beantworten, und eine Antwort hilft nur, wenn alle sie mittragen. Vier Formate zeigen, wie Gruppen zu tragfähigen Ergebnissen kommen.
Erstgespräch vereinbarenDie vier Formate unterscheiden sich in Zweck und Größe der Gruppe.
| Format | Wofür | Gruppe |
|---|---|---|
| Dynamic Facilitation | ein komplexes Problem, dessen Lösung die Zustimmung aller braucht | Kleingruppe oder Besprechung |
| Zielscheibe | prüfen, wie tragfähig die gemeinsame Basis an Zielen und Interessen ist | Team, zum Start oder in Veränderung |
| Solution Circle | ein Team lösungsorientiert durch Veränderung, Krise oder Neubeginn führen | Team |
| Fishbowl | eine Diskussion in großer Runde strukturieren | große Gruppe |
Dynamic Facilitation stammt von Jim Rough (USA, 1990er-Jahre). Er nannte das Ziel „Choice Creating“: eine Lösung für ein komplexes Problem, der alle zustimmen können. Das Format kommt ohne lineare Ablauflogik aus. Die Moderation nimmt jeden Beitrag auf und ordnet ihn einer von vier Listen zu, bis eine Lösung für alle offensichtlich wird.
| Dynamic Facilitation | Lineare Moderation | |
|---|---|---|
| Ablauf | Jeder Beitrag kommt auf eine von vier Listen, ohne feste Reihenfolge. | Erst Problemdefinition, dann Ursachenanalyse, dann Lösungserarbeitung |
| Wirkung | Entspricht menschlichem Denken, erzeugt Kreativität und Durchbrüche. | Die Struktur hemmt Innovation und Durchbrüche: Menschen sind spontan, haben Impulse und werden frustriert. |
Probleme
alle problembeschreibenden Aussagen und Fragen, allgemein oder speziell, gern auch unlösbare
Lösungen
unabhängig von den Problemen gesammelt; die Menge darf chaotisch wirken
Befürchtungen
die emotionalen Anteile, sichtbar aufgenommen statt übergangen
Informationen
alles andere, ob wahr oder falsch
Der Kern des Formats: Die Beteiligten sprechen zur Moderation und zur Wand, nicht zueinander. Miteinander reden ist in schwierigen Fragen oft Gegeneinander-Reden. Während einer spricht, sortiert der nächste schon seine Gegenargumente, und gelernt wird nichts. Über die vier Listen trägt jeder Beitrag zum Ganzen bei statt zum Streit. Gedanken und Befürchtungen sind ausgesprochen und festgehalten, dadurch entsteht Platz für Neues.
Lösungen werden später nicht den Befürchtungen gegenübergestellt oder benotet.
Irgendwann werden Lösungsansätze offensichtlich. Das merken dann alle; eine formelle Entscheidung ist in der Runde nicht nötig.
Die Moderation sorgt dafür, dass sich alle über den Durchbruch freuen können.
Gearbeitet wird mit Moderationskarten, einem Flipchart und Pinnwänden, am besten vier, eine je Liste. Das Format eignet sich für Kleingruppen und ist auch in einer hochbesetzten Besprechung denkbar.
Bevor eine Gruppe gemeinsam entscheidet, lohnt die Frage, wie viel sie tatsächlich teilt. Die Zielscheibe macht das sichtbar. Sie eignet sich für Teams zum Start und in Phasen der Veränderung, etwa wenn zwei Bereiche zusammengelegt werden.
Die Auswertung folgt vier Fragen:
Was nicht integrierbar ist, braucht eine Klärung. Liegt sie außerhalb der Gruppe, gehört sie zu denen, die darüber entscheiden.
Den Solution Circle hat Daniel Meier für lösungsorientierte Teamarbeit entwickelt. Er baut auf dem lösungsorientierten Ansatz von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg auf. Eingesetzt wird er in Veränderungsprozessen, Turbulenzen und Krisen, bei der Neuformierung eines Teams und zu Beginn neuer Projekte. Die Grundidee: auf dem aufbauen, was schon funktioniert, statt die Vergangenheit zu sezieren. Die Vergangenheit zeigt dabei auf künftige Möglichkeiten.
Zwischen den Schritten helfen kurze Zwischenstopps (Was war bisher hilfreich? Was erreichen wir heute noch?), das genaue Benennen auch unscheinbarer Erfolge und bewusste Pausen. Gute Ideen entstehen oft nach einer Stille, kurz bevor eine Gruppe aufgeben würde.
Große Runden haben ein Dilemma: Entweder sprechen alle, dann wird es lang und unübersichtlich, oder es sprechen wenige, dann fühlen sich die übrigen ausgeschlossen. Die Fishbowl verbindet Beobachten und Beteiligen.
Die Fishbowl eignet sich, wenn ein Thema viele betrifft, etwa bei der Vorstellung einer Veränderung vor einem ganzen Bereich. Sie lässt sich auch nutzen, um Beobachtungen zu sammeln, bevor eine kleinere Gruppe weiterarbeitet.
| Lage | Passendes Format |
|---|---|
| Eine verfahrene Frage, bei der jede Diskussion in dieselben Positionen führt | Dynamic Facilitation |
| Unklar, ob die Beteiligten überhaupt dasselbe wollen | Zielscheibe |
| Ein Team steckt in Veränderung oder Krise und sieht vor allem, was nicht geht | Solution Circle |
| Viele sind betroffen, aber nicht alle können gleichzeitig sprechen | Fishbowl |
Führungskreis
Jede Sitzung endet mit denselben Argumenten. Dynamic Facilitation trennt Probleme, Lösungen, Befürchtungen und Informationen und nimmt dem Gespräch das Gegeneinander.
Zusammenlegung
Bevor über Abläufe gesprochen wird, zeigt die Zielscheibe, wie viel gemeinsame Mitte es gibt und was die Geschäftsführung klären muss.
Projektbeginn
Der Solution Circle holt Erfahrungen aus früheren Projekten als Ressource herein, statt sie als Altlast mitzuschleppen.
Veränderung
Eine Fishbowl gibt vielen die Möglichkeit, sich einzubringen, ohne dass die Runde zerfällt.
Die Moderation schafft Struktur, Rahmen und Verlauf. Die Lösungen kommen von den Beteiligten.
Komplexität und Kommunikation
Komplexitätsmanagement mit c2m: kompliziert und komplex unterscheiden, Differenzierung und Dimensionierung, die Stufen K0 bis K5, neun Irrtümer, Abgrenzung zu Cynefin, MHC und VSM.
Zusammenarbeit und Wandel
Konflikte in Organisationen einordnen: Konflikttypen, Absichten und Motive, die neun Eskalationsstufen nach Glasl und die Konfliktdiagnose nach Berkel, mit Praxisfällen und Grenzen.
Zusammenarbeit und Wandel
Veränderung in Organisationen einordnen: Treiber, Arten und Phasen nach SITA von Gisela Wendling und The Grove, die Liminalität als Übergangsraum, Change Literacy und komplexe Ansteckung nach Damon Centola, mit Praxisanlässen und Grenzen.
